Es gibt Erkenntnisse, die nachhaltig wirken. Nicht, weil sie kompliziert sind, sondern weil sie etwas Einfaches auf den Punkt bringen. Einer dieser Sätze stammt vom Religionsphilosophen Martin Buber aus dem Jahr 1923:
„Der Mensch wird am Du zum Ich.“
Nur da und erst dann im Du werde ich Mensch. Dort, wo wir einem anderen Menschen wirklich begegnen – mit Offenheit, Aufmerksamkeit und gegenseitigem Vertrauen werden wir selber zu dem, was wir sind, Mensch. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die zweite Ausgabe unseres 48-seitigen Magazins Blickwechsel, das Sie weiter unten digital durchblättern können. Zugleich ist dieses Zitat auch das Leitmotiv des nächsten Sechs-Länder-Kongresses „Dattelner Kinderschmerztage“ im April 2027.
Wer unser Magazin liest, begegnet Menschen. Nicht Heldinnen und Helden, sondern Menschen, die ihren (Pflege-) Alltag mit Ihnen teilen. Die Familie Reitsch/Lutter zum Beispiel erzählt von ihrem ersten gemeinsamen Aufenthalt auf der Station Lichtblicke. Sie wurde zu einem Ort, an dem medizinische Versorgung, Entlastung und Familienleben nach Jahren erstmals zusammenfanden.
Wir nehmen Sie mit in eine Nachtschicht – jene Stunden, in denen unser Haus leiser wird und gleichzeitig besonders viel Aufmerksamkeit von den Pflegenden gefragt ist. Nacht bedeutet bei uns nicht Stillstand, nicht Pause. Sie ist geprägt von Fürsorge, Wachsamkeit und kleinen Gesten, die oft niemand bemerkt und die doch einen großen Unterschied machen.
Und auch Zahlen erzählen Geschichten: Im Gespräch zwischen der Geschäftsstellenleiterin des Freundeskreises Nicole Sasse sowie dem ehrenamtlichen Schatzmeister Christian Kowalk wird deutlich, dass hinter jeder Spende Verantwortung steht. Vertrauen entsteht dort, wo Menschen nachvollziehen können, wie Mittel eingesetzt werden – und warum sie so viel bewirken.
Besonders bewegend ist schließlich das Gespräch mit fünf jungen Pflegefachpersonen. Sie haben sich bewusst für einen Bereich entschieden, den viele zunächst mit Abschied verbinden. Die jungen Frauen erleben jedoch vor allem Nähe, Menschlichkeit und Sinn. Ihre Geschichten erzählen davon, dass Begleitung immer auch Beziehung bedeutet.
Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Blickwechsel. Schauen wir nicht zuerst auf das, was schwer ist, sondern auf das, was zwischen Menschen entsteht. Denn Kinderpalliativversorgung lebt von medizinischer Kompetenz – aber ebenso von Begegnungen, die tragen.
Martin Bubers Satz bleibt deshalb aktuell. Er beschreibt nicht nur eine philosophische Idee, sondern den Alltag in unserem Kinderpalliativzentrum. Jeden Tag aufs Neue entsteht aus vielen kleinen Begegnungen ein gemeinsames Miteinander.
Wir laden Sie herzlich ein, diese Geschichten zu entdecken. Vielleicht begegnen Sie dabei nicht nur den Menschen unseres Hauses – sondern auch einem Gedanken, der lange nachklingt.