SAPV-Team stellt bundesweit ersten Zertifizierungsantrag – und besteht mit Bravour!

Die `Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin` führte dieses Jahr eine Zertifizierung für Teams der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) neu ein. Das SAPV-Team am Kinderpalliativzentrum hat als erstes ambulantes Palliativteam überhaupt in Deutschland einen Antrag auf Zertifizierung gestellt – den Antrag mit der Bearbeitungsnummer 001. Die Freude über die erfolgreiche Zertifizierung ist jetzt groß im SAPV-Team um die bereichsleitende Oberärztin Dr. Mandira Reuther und Kinderkrankenschwester Sara Magnus, pflegerische Leiterin.

Jeder gesetzlich Krankenversicherte mit einer leidvollen lebensverkürzenden Erkrankung hat seit dem 1. April 2007 Anspruch auf eine Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung, auch SAPV genannt. Bundesweit gibt es heute mehr als 370 SAPV-Teams für Erwachsene sowie 38 SAPV-Teams für Kinder und Jugendliche. Die SAPV-Teams setzen sich aus Pflegenden, ärztlichem Personal und psychosozialen Mitarbeiter:innen zusammen. Das ambulante Palliativteam an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik ist eines der ältesten in Deutschland. Seit dem Jahre 1999, also schon acht Jahre vor der offiziellen Gesetzgebung, versorgt es sterbenskranke Kinder zuhause mit einem multiprofessionellen Team. Über viele Jahre wurde diese wichtige Arbeit ausschließlich durch Spenden finanziert. Jetzt übernehmen die Krankenkassen den Großteil der Kosten auf Basis der bundesweiten Gesetzgebung.  Momentan versorgt das Dattelner Kinderpalliativteam jährlich mehr als 100 Patient:innen und fährt über 700 Hausbesuche in einem Umkreis von rund 120 Kilometern. 

 

Die Zertifizierung von Teams der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung durch die `Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin` gibt es erst seit diesem Jahr. Die Zertifizierung ist eine qualitätssichernde Maßnahme in der häuslichen Versorgung unheilbar kranker Patient:innen. Monatelang hatte das Team um Kinder- und Jugendärztin Dr. Mandira Reuther und Kinderkrankenschwester Sara Magnus daran gearbeitet, das wegweisende Qualitätssiegel zuerkannt zu bekommen. „Die DGP-Zertifizierung belegt einem spezialisierten ambulanten Palliativteam, dass es in der Lage ist, auch zuhause bei den Familien eine Palliativversorgung auf höchstem Niveau zu erbringen, dadurch Krisen zu meistern und Krankenhausaufenthalte am Lebensende zu vermeiden“, beschreibt Magnus die Arbeit des Dattelner Kinder-SAPV-Teams.

 

Echtes Teamwork: Gemeinsamer Kraftakt zahlt sich aus

 

Die Vorbereitungsphase des Zertifizierungsprozesses war eine sehr anstrengende Zeit. Alle Prozesse und Arbeitsinhalte mussten analysiert, im Sinne einer verbesserten Patientenversorgung optimiert und dann nachvollziehbar schriftlich niedergelegt werden. Aber die viele Arbeit hat sich gelohnt – für das Team und für die betreuten Familien: „Wir haben alle Prozessabläufe der Versorgung kritisch reflektiert, wo nötig und möglich verbessert und so auch die Transparenz erhöht. Das hat sich positiv auf die Qualität unserer Versorgung ausgewirkt“, so Dr. Mandira Reuther, die ärztliche Leiterin des multiprofessionellen Teams.

 

Solche Zertifizierungsprozesse kosten viel Kraft, auch weil sie in viel Freizeitarbeit geleistet werden. Die reguläre Versorgung der Patient:innen und die Betreuung der Familien läuft ja voll weiter. Das ist eine echte Herausforderung für unser gesamtes Team. Doch der gemeinsame Kraftakt hat sich gelohnt“, zeigt sich Professor Zernikow, der Leiter des Kinderpalliativzentrums, enorm erleichtert: „Für ihren tollen Einsatz bin ich allen im Team unglaublich dankbar.“ Der Kinder- und Jugendarzt hat dabei auch den weiterreichenden Nutzen dieser wichtigen Zertifizierung im Blick: „Die Vergütung im Gesundheitswesen wird sich in Zukunft noch mehr an der Qualität der Versorgung orientieren. Da ist so eine Zertifizierung unglaublich wichtig, auch bei Gesprächen mit der Politik und den Krankenkassen.“

 

Für Familien mit einem lebensbedrohlich erkrankten Kind ist das Dattelner SAPV-Team ein Segen: „Ohne euch hätten wir das nicht geschafft“, blickt Anja Dausch aus Waltrop dankbar zurück auf die schweren Monate im letzten Jahr, in denen das SAPV-Team ihre Tochter Jolina zuhause versorgte.

 

Nun ist der Zertifizierungsprozess abgeschlossen und für das Team gilt es erst einmal Luft zu holen, Kraft zu tanken und dann in Ruhe weiterzumachen mit dieser wichtigen Arbeit. Unisono wünscht sich das Team um Professor Zernikow in diesen Tagen eines: Das Qualitätssiegel möge weiterhelfen, die Öffentlichkeit für die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Kinderpalliativversorgung für die gesamte Familie zuhause oder in der Klinik zu sensibilisieren.

 

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