Unser Wertekompass gewinnt Ethikpreis der DGP

Vor zwei Jahren machte sich das Kinderpalliativteam um Professor Boris Zernikow, Leiter des Kinderpalliativzentrums an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln Universität Witten/Herdecke, auf den Weg: Gemeinsam entwickelten Ärzt:innen, Pflegende, Therapeut:innen und Kolleg:innen aus der Verwaltung und dem Freundeskreis einen eigenen Wertekompass. Dass dieser nun von höchster Stelle ausgezeichnet wird, damit hatte zuvor niemand gerechnet. Umso größer ist die Freude im Kolleg:innenkreis!  


Dörte Garske, Dr.in Mandira Reuther, Prof. Boris Zernikow und Andrea Beissenhirtz freuen sich über den Ethikpreis 2025 der DGP.

 

Welche Werte leiten uns? Mit welcher Haltung wollen wir als Kinderpalliativteam den Familien begegnen? Und was verbindet uns als Mitarbeitende bei unserem Tun und im täglichen Miteinander? Wichtige Fragen, auf die die Mitarbeitenden in einem gemeinsam Teamprozess Antworten zusammentrugen. Ergebnis war ein eigener Wertekompass mit dem Titel: HALT GEBEN. HALTUNG LEBEN. Was uns leitet und verbindet. Der Wertekompass beginnt so: „Jedes Kind ist einmalig. Jedes Kind verfügt über seine unverfügbare Würde. Wir begegnen jedem Kind unabhängig von seinen Fähigkeiten zu kommunizieren und am Leben teilzuhaben mit derselben liebevollen Zuwendung und demselben Respekt.“


Unsere Werte und unsere Haltung gemeinsam zu definieren, sie zu artikulieren und niederzuschreiben, war uns ein Anliegen“, beschreibt Kinder- und Jugendarzt Boris Zernikow die Idee des Wertekanons. Darüber miteinander ins Gespräch zu kommen, hat bei uns einen fruchtbaren Prozess angestoßen. Entstanden ist eine Art Leitbild, das Orientierung bietet. Unser Team versteht sich als Fürsprecher unserer Patient:innen, der Eltern und aller, die uns unterstützen. Und wir erleben leider, dass Familien mit einem schwer kranken oder behinderten Kind in unserer Gesellschaft immer feindseliger begegnet wird.“ So wuchs der Wunsch, dem etwas entgegenzusetzen und die eigene Haltung in die Öffentlichkeit zu tragen.

„Ihr gemeinsames Teamprojekt verknüpft die Bereiche Ethik und Palliativversorgung auf eine vorbildliche sowie äußerst innovative und originelle Weise. Das besonders Wertvolle und Beeindruckende an Ihrer Einrichtung ist der umfassend beschriebene, professionell umgesetzte und vor allem partizipative Teamprozess, der andere Einrichtungen und Versorgende mit Sicherheit motivieren wird, einen eigenen Prozess zu initiieren und sich mit den eigenen Werten und der eigenen Haltung auseinanderzusetzen. Die gemeinsam getragenen Werte sowie die Auseinandersetzung mit diesen stellen die Grundlagen einer ethisch begründeten sowie bedarfsgerechten Versorgung von schwerkranken und sterbenden Menschen dar. Der von Ihnen beschriebene Prozess kann somit Vorbild sein und maßgeblichen Einfluss auf die Palliativversorgung in Deutschland sein.“


Das Team um Professor Zernikow hatte sich mit dem Wertekompass-Projekt für den Anerkennungs- und Förderpreis für Ethik in der Palliativversorgung 2025 beworben. Der Preis ist mit 6000 Euro dotiert. Erstmals wurde er im Jahr 2022 verliehen. Mit ihm möchte die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin die Umsetzung von Ideen und ein besonderes Engagement im Rahmen von hospizlich oder palliativ relevanten ethischen Praxisfragestellungen anerkennen.

Am 27. September durften Andrea Beissenhirtz, Dörte Garske, Dr. Mandira Reuther, Meike Haberstock und Professor Boris Zernikow stellvertretend für das Kinderpalliativteam den Preis der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin im Rahmen der digitalen Mitgliederversammlung der Gesellschaft entgegennehmen.

 

Erste Pläne, wofür das Preisgeld eingesetzt werden soll, gibt es bereits: Im Jahr 2026 wird das Kinderpalliativteam ein neues Projekt begleiten. Es thematisiert die Lebenslust schwerstkranker Kinder und Jugendlichen trotz einer lebensverkürzenden Erkrankung. In der Außenwahrnehmung ist die pädiatrische Palliativversorgung noch immer ausschließlich mit Sterben und Tod verknüpft. Das Kinderpalliativteam möchte dafür sensibilisieren, dass für die Kinder und deren Familien das Leben im Mittelpunkt steht und nicht der Tod – trotz der offensichtlichen Lebensverkürzung.

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